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Rätsel und Geheimnisse -
Das Bernsteinzimmer

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Das Bernsteinzimmer ist ein legendäres Kunstwerk, das gegen Ende des 2. Weltkrieges entweder in Königsberg (heute Kaliningrad) vernichtet wurde oder - zerlegt und in Kisten verpackt - vor dem Feuer gerettet werden konnte. Die Evakuierung aus Königsberg muss aber natürlich noch lange nicht bedeuten, dass es noch existiert, denn es könnte auch beim Abtransport vernichtet worden sein (s.u.)

Entstehung und Geschichte des Bernsteinzimmers bis 1944:
Das Bernsteinzimmer wurde Anfang des 18. Jahrhunderts als besonderes Prunkstück für das Schloss Charlottenburg bei Berlin gefertigt. Nach jahrelanger Arbeit der besten Bernsteinschnitzer wurde es 1712 fertiggestellt, dann aber entgegen den urspründlichen Plänen im Berliner Stadtschloss eingebaut. Auftraggeber war der preußische König Friedrich I, ein kunstsinniger und verschwenderischer Herrscher.

Sein weit weniger kunstbegeisterter Sohn Friedrich Wilhelm I. (der sog. Soldatenkönig) schenkte das Kunstwerk schon 1716 dem russischen Zaren Peter dem I., der sich mit der Überlassung einer Gruppe von Soldaten (die sog. Langen Kerls) bedankte. Die Beziehungen zwischen den beiden mächtigen Ländern waren zu der Zeit auch durch das Bündnis gegen Schweden geprägt.

Dem Zaren passte das Kunstwerk sehr gut, um den Winterpalais (ein Teil der berühmten Eremitage) damit zu schmücken. Das Bernsteinzimmer gab der gerade in den Newa-Sümpfen gegründeten neuen Residenzstadt Petersburg (zwischenzeitlich Leningrad) den Glanz und Prunk, den die neue Hauptstadt brauchte.

Von dort zog es noch einmal um in den Katharinenpalast in Zarskoje Selo vor den Toren der Stadt, aber dann sollte das Bernsteinzimmer eine ziemliche Zeitlang in Ruhe gelassen werden.

Auch die Führer und Teilnehmer der Oktoberrevolution liessen das Kunstwerk unbehelligt, denn es war zwar für die Könige, aber von den Werktätigen geschaffen worden.

Im Juni 1941 überfiel Nazi-Deutschland Russland und begann seinen schnellen Vormarsch. Die deutsche Wehrmacht konnte zwar Leningrad nicht einnahmen, aber das ziemlich ungeschützt ausserhalb der Stadt gelegene Zarskoje Selo. Im September 1941 wurde der Katharinenpalast von der deutschen Wehrmacht übernommen.

Schon nach wenigen Wochen (im Oktober 1941) wurde das wertvolle Bernsteinzimmer in einer Blitzaktion von den Nazis demontiert und ins vermeintlich sichere Königsberg gebracht. Nach übereinstimmenden Berichten wurden dazu 27 Kisten benötigt - eine Angabe, die eine Vorstellung vom Umfang des Kunstwerks vermitteln kann.

Es gab keinen Grund für die Nazis, ihre Beute in Königsberg nicht zu zeigen; es entstanden u. a. Fotos.

Geschichte des Bernsteinzimmers ab 1944:
Ab 1944 sind die Angaben über den Verbleib des Bernsteinzimmers weniger zuverlässig: In vielen Quellen wird behauptet, dass das Bernsteinzimmer nachweislich im Keller des Schlosses eingelagert wurde. Diese Nachweise fehlen; offenbar schreiben hier die verschiedenen Autoren nur unkritisch voneinander ab. Der Verfasser möchte deshalb etwas vorsichtiger formulieren: Vermutlich oder angeblich wurde es demontiert und im Keller des Schlosses eingelagert. Immerhin war zu dieser Zeit der Krieg längst entschieden, auch wenn die Führung um Adolf Hitler das noch nicht zugab.

Anfang April 1945 wurde Königsberg von der Roten Armee eingenommen (Kapitulation am 9.4.1945).

Völlig ungeklärt und kontrovers diskutiert wird, ob das Bernsteinzimmer im umkämpften Königsberg verbrannt ist (möglicherweise schon im Herbst 1945) oder ob es den Nazis gelungen ist, das Kunstwerk unbemerkt und rechtzeitig aus der Stadt zu schaffen.

Es gibt Berichte von Soldaten, die in einer Nacht- und Nebekaktion Kisten unbekannten Inhalts aus Königsberg abtransportiert haben wollen. Das ist möglich und es ist auch möglich, dass es sich dabei um das Bernsteinzimmer oder Teile davon gehandelt hat.

Andere Quellen behaupten, dass es Zeugen gäbe, die das Bernsteinzimmer am Königsberger Bahnhof gesehen haben wollen (wahrscheinlich mit Aufklebern: Achtung geheim - Bernsteinzimmer . . . ). Natürlich werden diese Zeugen nicht benannt. Aber selbstverständlich ist die These, das Kunstwerk sei mit der "Wilhelm Gustloff" Ende Januar 1945 aus Königsberg evakuiert worden, nicht weniger glaubwürdig, wie alle anderen unbewiesenen Angaben.

Insgesamt bleibt festzuhalten: Alle diese Angaben sind Spekulationen, es sind z.Zt. keine Zeugen bekannt, die sicher sagen können, dass sie tatsächlich das Bernsteinzimmer transportiert oder gar gesehen haben.

Selbstverständlich lässt sich deshalb auch nicht ausschliessen, dass die Bernsteintafeln in Königsberg geblieben sind und nicht verbrannt sind. Auch diese Spur wird von zahlreichen Wissenschaftlern, Hobbyforschern und Schatzsuchern direkt vor Ort verfolgt: Es soll alte Kellergewölbe geben, die bis heute nicht lokalisiert und folglich auch nicht geöffnet wurden.

Es ist auch unbestreitbar, dass die Quellenlage biologisch bedingt immer schwieriger wird: Selbst die Kinder von Soldaten oder SS-Männern, die an der Aktion Bernsteinzimmer beteiligt gewesen sein könnten, sind heute schon alt; ob es noch direkte Teilnehmer einer Evakuierungsaktion gibt, entzieht sich der Kenntnis des Verfassers. Bekannt sind solche Zeugen jedenfalls nicht, aber völlig ausschliessen darf man nicht mal diesen Gedanken. Aber er ist aus vielen Gründen extrem unwahrscheinlich.

Fazit und gesicherte Erkenntnis und Ausblick:
Damit bleibt also festzuhalten:

  • Es gibt schon seit Herbst 1944 keine verlässlichen Angaben über den Verbleib des Bernsteinzimmers.
  • Das Bernsteinzimmer kann also schon 1944 in relativer Ruhe evakuiert worden sein.
  • Es kann in Königsberg zerstört/ verbrannt sein.
  • Es kann unversehrt in Königsberg verblieben sein.
  • Es kann in den letzten Kriegstagen aus Königsberg herausgebracht worden sein. In diesem Fall gäbe es wiederum 2 Möglichkeiten: Es hat sein Ziel erreicht oder es ist auf dem Transport verloren gegangen oder vernichtet worden.

Keiner dieser Fälle ermöglicht eine Aussage darüber, was mit dem Kunstwerk geschehen ist. Es kann unversehrt nach Westen gelangt sein. Aber auch dort kann es natürlich noch verloren gegangen sein, genauso wie es möglich ist, dass es umgehend in die Hände privater Kunstsammler gelangt ist.

Natürlich kann es auch irgendwo eingelagert worden sein. Das ist die Möglichkeit, der die vielen Schatzsucher seit über 60 Jahren unermüdlich nachgehen. Aber selbst wenn es eingelagert worden sein sollte, bleibt die Frage, ob es nicht schon bald nach dem Krieg wieder geborgen wurde, um auf dem riesigen illegalen Kunstmarkt zu verschwinden.

Soweit die Fakten, alles was jetzt geschrieben wird, bewegt sich schon auf der Grundlage von Spekulation!


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